Meditation mit Musik

Meditative Musik ist auf vielen spirituellen Wegen und in allen Teilen der Welt ein häufig anzutreffender Teil der täglichen spirituellen Praxis eines Adepts und dies aus gutem Grund. Seit vielen Jahrtausenden haben Menschen die geheimnisvolle Kraft, die von der Musik ausgeht, als Hilfe im spirituellen Leben benutzt und es sind viele Bücher über dieses Thema geschrieben worden. Über eines scheinen sich alle Autoren jedenfalls einig zu sein: Spirituelle Musik lässt sehr tiefe Wesensteile von uns mitschwingen. Daher kann uns Meditationsmusik – insbesondere in den früheren Stadien unserer Meditationspraxis – beachtlich helfen, unseren rastlosen Verstand zu beruhigen bzw. in die Pause zu schicken.

„Musik kommt der Meditation am nächsten. Aber das gilt nur, wenn es sich um seelenvolle Meditationsmusik handelt, also Musik, die unser strebendes Bewusstsein berührt und erhebt. Wenn wir seelenvolle, psychische Musik spielen, werden wir sofort in das höchste Reich des Bewusstseins befördert.“ Sri Chinmoy

Den Verstand in Schach halten

Die meisten Menschen, die zu meditieren beginnen, wissen wohl aus einem Meditationskurs oder zumindest aus Büchern, dass es nun gilt, den Verstand still zu machen und über den Verstand hinauszugehen, jedoch scheint unser Verstand vor allem anfangs bei diesem Spielchen keinesfalls kooperieren zu wollen. Ganz im Gegenteil, er ruft sich, sobald wir uns hinsetzen und meditieren wollen, mit kreisenden, oft sinnlosen und unwichtigen, manchmal sogar richtig störenden Gedanken ständig in Erinnerung. Vielleicht sucht ihr euer Glück mit der Wiederholung einiger Mantren oder ihr probiert es mit irgendeiner grundlegenden Atemtechnik, möglicherweise macht ihr auch eine schöne Visualisation und stellt euch zum Beispiel vor, dass ihr auf dem Gipfel einer der Berge im Himalaya sitzt – und trotz alledem könnt ihr euren Verstand, euer Gedankenfließband nicht abschalten bzw. in den Griff bekommen. Anfangs scheinen einen die lästigen Gedanken einfach überallhin zu verfolgen. Das ist dann der richtige Moment, um mit einer geeigneten Meditationsmusik zu meditieren! Denn hier wird unsere Aufmerksamkeit auf die Melodie, den Gesang gerichtet und damit ausreichend beschäftigt, um nicht in Eigendynamik zu verfallen. Gleichzeitig verfügt Meditationsmusik, zumindest wenn sie aus einem hohen Bewusstsein heraus geschaffen und gespielt wurde, über eine sehr hohe, meditative Schwingung, die sich der Meditierende gewissermaßen einverleibt. Er schwingt mit seinem inneren Wesen quasi mit, das heißt im speziellen Fall nichts Anderes als dass er meditiert. Aus dem eben gesagten ergibt sich automatisch, dass eine Meditation mit Meditationsmusik umso intensiver und höher ausfallen wird, je höher das Bewusstsein der Musik ist. Aus diesem Grunde sollte man natürlich möglichst auf Musik meditieren, die von einem erleuchteten bzw. gottverwirklichten Yogi geschaffen wurde, denn diese Musik entsteht aus der universellen Quelle und kann uns – zumindest eine gewisse Wegstrecke lang – dorthin zurückführen. Ein erleuchteter Yogi wird immer sagen, dass es nicht er selbst gewesen ist, der eine meditative Musik erschaffen hat. Er verfügt über kein Ego mehr, sondern ist mit seinem Bewusstsein völlig in die Quelle eingetaucht. Daher betrachtet er sich als reines Instrument und die Quelle, also das Göttliche, als wahren Schöpfer der musikalischen Werke, die letztlich aber ihn als Komponisten ausweisen.

Verschiedene Arten von Musik

In dieser Welt ist alles Schwingung. Ja selbst ein Fels ist letztlich nichts als Schwingung. Man braucht nur weit genug in die Materie hineinzuschauen, um festzustellen, dass sie aus einer Vielzahl von Atomen besteht. Die Atome bestehen fast zur Gänze aus nichts. Nur der kleinste Teil sind Elektronen, also Energie, die herumschwirrt oder lasst uns besser sagen herumschwingt. Selbst das Licht ist eine Welle und der Schall natürlich auch; eben eine Schallwelle. Alles schwingt; aber natürlich schwingt nicht alles in der gleichen Höhe. Heavy Metal-Musik wird zum Beispiel nicht geeignet sein, einen Menschen in einen meditativen

Zustand zu versetzen. Sie wird im Gegenteil vielmehr einen Menschen, der meditiert, aus seinem hohen Bewusstsein herausreißen. Musik kann also einen starken Einfluss auf unser Bewusstsein ausüben, wobei der Einfluss sowohl in Richtung von Erregtheit, Aggression gehen kann, ja gewisse Musik wird sogar gezielt im Krieg an der Front eingesetzt. Aber sie kann auch Harmonie, Frieden, Freude und Entspannung verbreiten. Daher noch einmal mein Rat: Wähle sorgfältig die Art der Musik, die du zur Meditation verwenden willst. Es muss nicht immer ein hoher spiritueller Meister sein, der Meditationsmusik komponiert. Viele Werke von Bach eignen sich zum Beipiel auch hervorragend zum Meditieren und es gibt noch eine große Zahl weiterer Komponisten… Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die meditieren und auch Musik machen, das ist dann schon eine ganz gute Voraussetzung.

„Unsere Sinne sind rastlos, weshalb unser Verstand leidet. Unser Verstand ist voller Zweifel und Argwohn, weshalb unsere Sinne leiden. Der Verstand verfügt nicht über die Fähigkeit, die Sinne zu kontrollieren oder zu disziplinieren. Hier steht die Musik dem Verstand bei. Mit Hilfe der Musik bindet und diszipliniert der Verstand die Sinne und wandelt sie in ein vollkommenes Instrument um, damit sie von oben mit Frieden, Licht und Glückseligkeit überschwemmt werden können.“

„Seelenvolle und spirituelle Musik kann uns wirklich helfen; sie nährt unser inneres Leben. Musik verfügt über enorme Kraft. Mit Feuer können wir uns verbrennen, wir können damit aber auch kochen und viele gute Dinge tun. Das gleiche gilt für Musik. Göttliche Musik hebt unser Bewusstsein sofort. Ungöttliche Musik hingegen macht unser Bewusstsein schlechter und versucht unseren aufrichtigen inneren Schrei für ein besseres spirituelles Leben zu zerstören. Ein spiritueller Mensch wird sofort durch so eine Musik beeinflusst. Musik kann also unser Bewusstsein verändern, vorausgesetzt, es handelt sich um Musik, die vom Herzen kommt und die ins Herz eintritt. Die Musik, die die Tiefen unseres Herzen berührt, kann unser Bewusstsein heben.“ Sri Chinmoy

Musik, die „vom Herzen kommt“

Wenn man von Meditationsmusik spricht, wird man immer wieder den Begriff „Musik vom Herzen“ hören – was ist eigentlich darunter zu verstehen? Grundsätzlich soll hier (wieder einmal) festgestellt werden, dass auf vielen inneren Wegen empfohlen wird, bei der Meditation die Energien auf das Herz zu konzentrieren (bitte siehe dazu auch den Essay „Verstand versus Herz“). Entsprechend dem Jahrtausende alten Yogasystem besteht der Mensch aus verschiedenen Wesensteilen, vereinfacht gesagt dem Körper, dem emotionellen Wesen bzw. niederen Vitalem, dem Verstand, dem Herzen (hier ist nicht die Muskelpumpe gemeint, sondern eine Art psychisches Wesen in uns) und der Seele. Unsere emotionale Energie braucht die Lebenskraft (Prana), um zu funktionieren und ist gewissermaßen unser Kraft- oder Energiereservoir. Hier gibt es niedere Energien und höhere Energien, aber „nieder“ sollte nicht abwertend verstanden werden, sondern ist gewissermaßen strukturell , also in dem Sinne gemeint, wie etwa ein Baum über einen niederen Teil, also zum Beispiel die Wurzeln, und über einen höheren Teil, etwa die Baumkrone verfügt. Oder wie ein schönes Haus auf einem soliden Fundament gegründet sein muss. Das emotionelle Wesen bzw. Vitale setzt sich aus einer ganzen Reihe mächtiger Kräfte zusammen, die sowohl undiszipliniert und widerspenstig, aber auch dynamisch und fortschrittlicher Natur sein können.

Musik kann von all diesen verschiedenen Teilen unseres Wesens geschaffen und vermittelt werden. Für die Meditation hat sich die Musik aus dem und für das Herz mit großem Abstand als die geeignetste erwiesen. Sehr wenige Meister könne die Musik der Seele spielen; das ist dann aus dem Blickwinkel der Meditation betrachtet die Krönung der Musikmeditation. Musik aus dem niederen Vitalen hingegen kann geradezu unseren subtilen Nerven stören wenn nicht sogar teilweise zerstören und ist daher in der Regel nicht geeignet. Man muss also eine Entscheidung treffen: Will ich Musik hören, die mir in meinem Streben nach etwas Höherem, nach Liebe usw. hilft, oder will ich jene Musik hören, die lediglich meine niedere vitale Natur stimuliert. Natürlich kann auch vitale Musik inspirierend sein und uns ein enthusiastisches Gefühl vermitteln, welches uns wiederum bei der Meditation helfen mag. Nur leider handelt es sich in den meisten Fällen der vitalen Musik nicht um eine dynamische, sondern vielmehr um eine erregende mitunter auch subtil aggressive Musik, die einfach unser Bewusstsein fallen lässt.

Wie setzt man Musik in der Meditation ein

Wenn wir nun die geeignete Musik ausgewählt haben, erhebt sich nun die Frage, wie man damit eigentlich meditiert. Die gute Nachricht: Hier brauchen wir uns nicht um eine spezifische Technik sorgen. Wir brauchen sie gewissermaßen nur anschalten und dann wird sie für uns das Nötige tun. Natürlich ist es schon notwendig, dass wir eine meditative Haltung einnehmen und dann sollten wir einfach versuchen, an nichts zu denken und mit der Musik eins zu werden, einfach mit der Musik zu verschmelzen und in ihr aufzugehen. Auch hier werden da und dort Gedanken aufpoppen, aber wir kehren dann einfach zu unserem Meditationsobjekt, nämlich der Musik, zurück und das war es schon. Wichtig wie bei jeder anderen Meditation ist auch hier die innere Haltung, nämlich die Einstellung, dass wir uns durch nichts aus der Stille, aus der Ruhe bringen lassen. Wir sollten daher die Gedanken wie Vögel ansehen, die im Himmel fliegen und keine Spur hinterlassen. Ihr könnt euch auch vorstellen, dass ihr ein mächtiger Baum seid, und die Gedanken nur Blätter sind, die im Wind ein wenig tanzen. Aber ihr seid der unverrückbare Baum. Grundsätzlich gilt auch bei der Musikmeditation, dass man sich auf das eigene spirituelle Herz, also auf die Mitte der Brust konzentrieren soll. Hier sollte das Zentrum unseres Lebens wahrgenommen werden. Wenn wir „im Herzen“ meditieren können, wird es uns ganz automatisch leicht fallen, mit der Musik eins zu werden. Das Herz ist unter anderem das Chakra der Identifikation. Zumindest werden wir auf diese Weise am nachhaltigsten von der Musikmeditation profitieren.

Einen Fehler, den Anfänger gerne machen: Man darf sich aufgrund des Umstands, dass Musik läuft, nicht verleiten lassen, sich zu sehr zu entspannen und schließlich in einer Art relaxten Tagträumerei zu versinken. Es ist absolut notwendig, die gleiche Disziplin, die gleiche Haltung (gerader Rücken usw.), die gleiche Konzentration zu wahren und all die anderen Dinge zu beachten, die man auch bei anderen Meditationsübungen, wie Visualisationen, Atemübungen usw. berücksichtigt, etwa einen sauberen Platz zur Meditation, reine, gemütliche Meditationskleidung, vielleicht eine Kerze und Räucherstäbchen und so weiter. Und der Verstand sollte natürlich – das ist das Wichtigste – unter Kontrolle gehalten werden.

Meditationsübungen mit Musik

1)Wähle die Meditationsmusik sorgfältig aus (Kriterien: siehe oben)

2)Setze dich aufrecht hin, das heißt mit geradem Rückgrat, ansonsten bleibe aber entspannt. Es spielt keine große Rolle, ob du im Schneider- oder Lotussitz am Boden sitzt oder einfach auf einem Sessel.

3)Lass die Musik über dich fließen und fokussiere dabei deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Wenn du einatmest, stelle dir vor, der Atem tritt in dein inneres Selbst ein. Das sollte nicht rein mechanisch geschehen. Du musst dich wirklich überzeugen, dass dies nun so passiert. Fühle, dass eine höhere Wahrheit oder Wirklichkeit in dich eintritt.

4)Beim Ausatmen versuche zu fühlen, dass du alles ausatmest, was in dir zu Blockaden führt und dich daran hindert, tiefer nach Innen zu tauchen. Du kannst die Augen geschlossen halten oder du hältst sie halb geöffnet und richtest deinen Blick auf eine Kerze, Blume oder ein Bild eines Meisters .