Überall und jederzeit meditieren

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Es gibt ein bekanntes Gleichnis, in welchem von zwei buddhistischen Mönchen die Rede ist, die in ihrem Leben und in ihren spirituellen Übungen von ihrem spirituellen Meister angeleitet werden. Die beiden Mönche hätten gerne Zigaretten geraucht, obwohl sie sich recht sicher waren, dass ihr Meister nicht wollte, dass sie diesem Laster frönen. Wohlwissend, dass sie sich nun einen groben Tadel einhandeln könnten, entschieden sie sich nichtsdestotrotz, ihn um Erlaubnis zu ersuchen.

Der Mönch Kenji ging also zu seinem Meister und fragte, „Meister, bist du einverstanden, wenn Katsu und ich Zigaretten rauchen, wenn wir meditieren?“ Der Meister reagierte wütend. „Was für eine Schande! Habt ihr denn keinen Funken Anstand? Kümmert ihr euch wirklich nicht aufrichtig um eine ernsthafte spirituelle Disziplin? Die Frage an sich ist schon eine Frechheit!“

Mit hängendem Kopf kehrte Kenji zu seinem Freund zurück und berichtete ihm über den Verlauf des Gesprächs. „Mach dir keine Sorgen“, meinte Katsu, „Ich werde morgen mit dem Meister die Angelegenheit noch einmal besprechen und ich bin sicher, dass das Ergebnis diesmal anders ausschauen wird.“

Am nächsten Tag ging Katsu zum Meister und sagte, „Meister, ginge das in Ordnung, wenn Kenji und ich meditieren während wir Zigaretten rauchen?“

Ja, sicherlich“, antwortete der Meister begeistert, „Ihr solltet bei all euren Handlungen meditieren. Es ist immer vorteilhaft, wenn ihr ein höheres Bewusstsein in eure weltlichen Aktivitäten bringt.“

Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, dieses Gleichnis zu interpretieren. Eines Botschaft ist aber, glaube ich, ganz klar: Meditation kann man jederzeit und überall praktizieren!

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Zwei Geheimnisse;

  • Wann immer du etwas tust, tue es, als ob es das wichtigste im Leben sei. Verbleibe im Jetzt, gib dein Bestes, aber erwarte nichts. In der Bhagavad Gita, der indischen Bibel, steht: Du hast das Recht zu arbeiten, aber keine Recht auf die Früchte deiner Arbeit. Widme alles, was du tust Gott, deiner Quelle. Dann wirst du über alle Maßen glücklich!
  • Tue alles mit Dankbarkeit.

Um ein Fundament der Entspannung, des Friedens und der Freude zu schaffen, sollte man meiner Meinung nach zwar keinesfalls auf die Morgenmeditation in einer eigenen Ecke der Wohnung verzichten und abends empfiehlt es sich sicherlich noch einmal, den Tag mit einer eigenen Meditation in der Wohnung abzurunden. Aber das bedeutet keineswegs, dass man Meditation nicht auch spontan und formlos letztlich bei jeder Tätigkeit durchführen kann. Spiritueller Fortschritt bedarf nicht unbedingt eines Meditationskissens, Räucherstäbchen, bestimmter Kleider oder eines Tempels. Wenn man mit der Meditation vertraut geworden ist, kann man durchaus spontan etwa beim Laufen, Gehen, Abwaschen, Autofahren usw. meditieren. Über grundlegende Meditationstechniken werden bald eigene Essays folgen.